Der gekreuzte Pferdekopf am Giebel - was hat es damit auf sich? - Haffdrooom - Ihr Ferienhaus an der Ostsee

Auf Scheunendächern in den traditionell agrarisch geprägten Gebieten Deutschlands, vor allem aber in der Nordhälfte des Landes, ist die Verwendung von 2 Pferdeköpfen, bzw. von 2 gekreuzten Pferdeköpfen üblich.


Historisch betrachtet ist die Verwendung dieser Köpfe seit Jahrhunderten etabliert. Die offene Dachspitze diente früher bereits zur Belüftung, als Schlafplatz für Eulen und auch um die Präsenz von Nagetieren zu verhindern. Während angelsächsische Legenden diese gekreuzten pferdeköpfigen Stäbe als „Hengist“ und „Horsa“ bezeichnen, sind ihre viel früheren germanischen Bedeutungen in der deutschen Mythologie nur eine vage Erinnerung. Dennoch ist das Symbol auch in der deutschen Heraldik benannt. In ganz Nordeurasien galt das Pferd jedoch nicht nur als Statussymbol angesichts der mächtigen Reisemöglichkeiten, sondern verkörperte in dieser Hinsicht auch etwas Mächtiges. Man glaubte, dass der Donner ihrer eindringenden Hufschläge in Verbindung mit ihrem schrillen Wiehern sogar die Feinde vertreiben könnte. Wenn man also einen Fluch über einen Feind aussendet, diente der auf dem Pferdekopf montierte Zitterstab etwa der gleichen Idee; während die gekreuzten Stäbe, ähnlich wie die Rune “Nicht”, dazu dienten, das eigene Gehöft vor Nagetieren zu schützen. Zumindest damals galten Nagetiere und nicht Katzen als Vorboten des Bösen (Plagen). Gelegentlich wurden Pferde den Göttern geopfert und ihre Köpfe feierlich am Grundstein wichtiger Gebäude begraben, die errichtet oder über ihrem Eingang montiert wurden. Diese Praxis setzte sich bis ins Mittelalter fort, oft als Akt der Rebellion gegen die Kirche, die den Verzehr von Pferdefleisch als Beweis für den heidnischen Glauben einschloss. Als das Christentum übernahm, wurde dies als barbarisch missbilligend angesehen, und die Opfer, die durch das symbolische Aufhängen von Hufeisen als Schutz gegen Hexerei ersetzt wurden, machten jedoch den fatalen Fehler, umgekehrt zu versuchen, Katzen als die bösen Vorboten der Pest zu verurteilen.

gekreuzte Pferdeköpfe auf dem Giebel am Musterhaus auf dem Haffdroom

In der heutigen Zeit erfüllen die gekreuzten Pferdeköpfe fast keine praktische Funktion und werden im Rahmen des Brauchtums bzw. der optischen Verzierung verwendet. Die Häuser auf dem Haffdroom an der Ostsee werden ebenfalls mit den Pferdeköpfen verziert. Darüber hinaus erfüllen diese mit einer verlängerten Kante auch einen funktionalen Sinn: Den Schutz der Oberkannte des Reetdachs vor Wind, um ein mögliches Ausfransen zu verhindern.

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